Saison: 2019 - Playoffs

FINALE Game 2: Leipzig Wallbreakers vs Chemnitz Cyndicates

Am 28.09.2019 kam es in Chemnitz zum Rückspiel der Best of 3 Finalserie der Mitteldeutschen Liga Baseball. Die Leipzig Wallbreakers gingen mit einem Sieg Vorsprung in das zweite Spiel, in dem sie wie schon in Spiel 1 eine frühe Führung herausspielten.

Der Chemnitzer Werfer Alexander Petrik hatte Probleme in die Partie zu finden und musste nach drei Walks und zwei Hits einen 3 Run Homerun von N. Hester schlucken. Die Wallbreakers brachten einmal die komplette Schlagorder durch, bis ein Flyout für das dritte Aus sorgte. Zu diesem Zeitpunkt waren aber bereits 6 Runs auf dem Scoreboard verzeichnet, ein denkbar ungünstiger Start für die Gastgeber, die ihrerseits am Schlag durch Hits von M. Bitz, S. Arlick (RBI) und C. Zippenfennig (RBI) immerhin auch gut in das Spiel fanden. Anders als im Spiel 1, wo es bis zum fünften Inning dauerte bis der erste Hit gegen N. Hester gelang, war der Start also vielversprechend. Durch ein Strikeout ließen die Cyndicates aber eine Bases Loaded Situation ungenutzt und konnten somit nur zwei Runs erzielen, die Leipzig im zweiten Durchgang direkt wieder egalisierte. Mit dem Spielstand von 8:2 ging es in das dritte Inning, wo Chemnitz einmal mehr ein starkes Comeback startete. Ließ man durch ein Strikeout zunächst erneut Läufer auf zweiter und dritter Base liegen und holte „nur“ zwei Runs, waren es im vierten Inning nach Hits von C. Zippenfennig, M. Lippmann und S. Arlick (RBI Double) ganze Fünf. Dies zwang den Leipziger Coach zum Reagieren und so musste der später zum Pitcher of the Year ausgezeichnete N. Hester den Mound verlassen.

Gleiches widerfuhr allerdings auch den Cyndicates, die zunächst von A. Petrik auf S. Plihal wechselten und kurze Zeit später auf M. Lippmann. In einer Phase des Spiels, in der sowohl das Pitching, als auch die Defensive etwas wackelte, kassierte man erneut 8 Runs innerhalb von zwei Spielabschnitten und befand sich einmal mehr mit sieben Punkten im Rückstand.

Die Chemnitzer hatten sich aber in dieser Saison nicht umsonst den Respekt der Gegner als Comeback Könige der Liga erarbeitet. Erneut knabberte man Schlag für Schlag den Rückstand ab und ließ sich dabei auch nicht von umstrittenen Umpireentscheidungen ablenken, die den ein oder anderen Run kosteten. Nach einem 2 RBI Double von C. Zippenfennig und einem anschließenden Walk von S. Hertel war der Rückstand auf zwei Runs zusammengeschmolzen und Chemnitz hatte bei einem Aus Läufer auf zweiter und dritter Base. Leipzig war erneut gezwungen den Pitcher zu wechseln und verschoss damit die letzte Patrone – bei einem möglicherweise entscheidenden dritten Spiel hätte Chemnitz mit einem weiteren frischen Arm den Vorteil auf der Pitcherposition in der Hinterhand gehabt. Das Risiko zahlte sich für die Messestädter jedoch aus. Mit einem Strikeout und einem 4-3 Putout beendete M. Raskolets das achte Inning und durch die 3,5 Stunden Zeitbegrenzung wurde Chemnitz wie auch schon im ersten Spiel die Möglichkeit genommen, das Spiel im neunten Inning noch zu drehen. Leipzig gewann mit 18:16 und krönte sich somit zum Meister der MDLB 2019.

10:9 Hits und 6:6 Errors zeugen von einem Spiel auf Messers Schneide, das Leipzig aufgrund der etwas besseren Schlagleistung in den wichtigen Momenten für sich entscheiden konnte. Exemplarisch dafür steht der 3 Run Homerun im ersten Inning, der sich im Nachhinein als wichtiger Faktor herausstellte. Auf beiden Seiten hatten die Pitcher nicht ihren besten Tag erwischt, wodurch ein „typisches“ Chemnitz vs. Leipzig Spiel mit vielen Runs und Walks und hoher Spieldauer entstand.

Glückwunsch an die Leipzig Wallbreakers II, die als Underdog alle Spiele in der Postseason gewinnen konnten und dabei sowohl den Hauptrundenmeister, als auch den Zweitplatzierten eliminierten.

Bei Chemnitz war auf der einen Seite eine gewisse Enttäuschung zu spüren, da man über beide Spiele nicht die Leistung wie noch im Halbfinale abrufen konnte, unter dem Strich wird man aber mit viel Stolz auf das Jahr 2019 zurückblicken. Im vierten Jahr der Ligazugehörigkeit konnte man erstmals die Playoffs und gleichzeitig das Finale erreichen, dabei einen großartigen Teamzusammenhalt erschaffen, der sich nicht zuletzt in den vielen Aufholjagden manifestierte. Ob 7 Runs im Halbfinale, 14 im ersten Finalspiel oder 6 bzw. 7 Runs im zweiten Finalspiel, zu keinem Zeitpunkt warf man das Handtuch und kämpfte sich immer wieder zurück in das Spiel, auch wenn am Ende etwas Glück zum ganz großen Wurf fehlte. Aber irgendwo muss man sich ja auch noch Raum zum Verbessern lassen…

 

Cyndicates Chemnitz

# Batting AB H R RBI BB 2B 3B HR SB SO HBP E PO A
CMaximilian Bitz31303000510323
LFKay Schäfer40102000320020
CFSteffen Arlick42421100301060
3BFabian Dittrich40102000020234
DH/PMichael Lippmann62230000110020
SSClaudio Zippenfennig43232100500112
2BSilvia Hertel10105000510001
RFEnrico Schwarz41112000220000
1BPeer Stopp40102000010080
 Gesamt349169192002410162410
Pitching IP H R ER BB SO HR
Alexander Petrik3.2899611
Steve Plihal1.2155400
Michael Lippmann2.2144420
Gesamt6.61018181431

Leipzig Wallbreakers II

AB H R RBI BB 2B 3B HR SB SO HBP E PO A
00000000000000
IP H R ER BB SO HR
0000000
vs

FINALE Game 1: Chemnitz Cyndicates vs. Leipzig Wallbreakers II

Am 21.09.2019 kam es in Leipzig an einem spätsommerlichen Samstag zum ersten Finalspiel der diesjährigen MDLB Playoffs zwischen den gastgebenden Leipzig Wallbreakers II und den Chemnitz Cyndicates.

Wie schon im Halbfinale mussten die Gäste bei der Terminvergabe in den sauren Apfel beißen und den ungeliebten Samstag hinnehmen, da Leipzig am Sonntag eventuell nicht spielfähig gewesen wäre. Durch die ein oder andere Absage und Verletzung traten die Chemnitzer mit der Minimalbesetzung von zwei Pitchern an, Michael Lippmann bekam dabei den Start auf dem Mound. Leipzig konnte dagegen ganze 16 Spieler auf der Lineup Card aufbieten, hierbei erhielt Nate Hester die Aufgabe des Starting Pitchers.

Bereits im ersten Inning deutete sich an, dass dies nicht der Tag der Cyndicates sein sollte. Mit Bases Loaded und zwei Aus beförderte Lippmann einen Pitch die rechte Outfieldlinie entlang. Nur wenige Zentimeter fehlten zu einem Basehit, einem wahrscheinlichen Double und den ersten drei Runs des Tages für Chemnitz, doch der Ball kam nicht im Spielfeld auf, sondern knapp im Foul-Territorium. Im darauffolgenden Pitch folgte das Strikeout und so gingen die Gäste ohne jegliche Punkte das erste Mal in die Verteidigung. Drei schnelle Flyouts sorgten für einen raschen Durchgang und so war die Offensive wieder am Schlag, doch auch dieses Mal ließen die Cyndicates gleich mehrere Läufer auf den Bases verhungern.

Zunächst sah es nach einem weiteren fixen Inning in der Verteidigung aus, da die ersten beiden Leipziger Schlagmänner ausgemacht wurden. Dies war jedoch der Zeitpunkt an dem das Spiel in Richtung der Wallbreakers kippte. Ein langsamer Groundball knapp unter den Handschuh des Pitchers, ein Hit by Pitch, ein Error, ein Catcher-Überwurf, gleich mehrere höchst umstrittene Calls an der dritten Base, ein nicht gefangenen Pop-Up an der Homeplate, ein unterlaufener Ball im Right Field, die Cyndicates ließen keine Gelegenheit ungenutzt das Inning unnötig zu verlängern. An dessen Ende fanden sich 5 Runs auf der Anzeigetafel und ein Ende der Pleiten-, Pech- und Pannenserie war nicht in Sicht, denn auch in Inning 3 und 4 erzielten die Wallbreakers zusammengenommen 6 Runs.

Da half es auch nicht, dass die Cyndicates Offensive einen grausamen Tag erwischte. Zwar erzwang man den ein oder anderen Walk, zu viele Strikeouts mischten sich aber unter die Schlagleistung und wenn ein Ball doch Mal satt erwischt wurde, landete er genau dort, wo ein Leipziger Verteidiger schon wartete. Es dauerte bis zum fünften Inning bis der erste Hit gelingen wollte, wenngleich bereits im vierten Inning der erste Run erzielt wurde.

Chemnitz wechselte zum Ende des vierten Durchgangs den Pitcher und für M. Lippmann kam S. Plihal in das Spiel. Dieser gab eine gute Figur auf dem Mound ab und ließ 2 1/3 Innings keinen einzigen gegnerischen Run zu. Lediglich im sechsten Abschnitt gingen weitere 5 Runs auf das Leipziger Konto, keiner davon war aber vom Pitcher verschuldet. Ganze 4 Errors produzierten die Cyndicates in diesem Inning und ließen ihren Werfer somit hilflos zurück. Am Ende des Tages ließ S. Plihal in 3 1/3 gepitchten Innings nur 4 Hits zu, von den 5 kassierten Runs war kein einziger „earned“, also selbst verschuldet. Die Verteidigung konnte die gute Leistung auf dem Mound heute schlichtweg nicht in etwas Zählbares ummünzen.

Zumindest Offensiv folgte noch ein Aufbäumen. Nach zwischenzeitlichem 2:16 Rückstand, fingen die Cyndicates im siebten Inning damit an, sich darauf zu besinnen, was sie überhaupt in das Finale gebracht hat. Das war vor allem eine schlaggewaltige Offensive: M. Bitz, K. Schäfer und S. Arlick luden die Bases, F. Dittrich gelang ein RBI Single, P. Stopp folgte mit einem 2-RBI Single, bevor S. Braun ein weiterer Hit für die Gäste gelang. Leipzig entschied sich nun für einen Pitcherwechsel, Hester hatte zu diesem Zeitpunkt 140 Pitches im Arm und Chemnitz sich auf seine Würfe eingestellt. B. Grzeganek kam für ihn ins Spiel, das tat dem Chemnitzer Offensivlauf aber keinen Abbruch. Walks von A. Trommer, S. Plihal luden die Bases wieder auf, K. Schäfer erarbeitete sich einen Walk auf die erste Base, der einen weiteren Runner nach Hause brachte und S. Arlick gelang ein Single, der zwei weitere Läufer ins Ziel brachte. Am Ende des Durchgangs standen 9 Runs zu Buche und der Vorsprung war auf 11:16 zusammengeschmolzen.

Ein sauberes Inning in der Verteidigung sorgte dafür, dass Chemnitz nochmal an den Schlag durfte. Zu diesem Zeitpunkt kam die 3.5 Stunden Zeitbegrenzung ins Spiel. Ein neuntes Inning würde es aufgrund dieser nicht mehr geben, weshalb die Cyndicates ein Comeback nur noch in diesem Schlagdurchgang vollziehen konnten. Direkt die ersten beiden Batter kamen auch auf die Base, zwei Strikeouts dämpften aber die Hoffnungen.

Beim Count von drei Balls und zwei Strikes zeigte S. Plihal anschließend ein gutes Auge und ließ den Ball passieren, ein Strikecall sorgte jedoch dafür, dass alle Beteiligten rechtzeitig zum Abendbrot wieder zuhause waren und das Spiel war somit beendet, bevor Chemnitz wieder mit der Nummer 1 im Lineup beginnen konnte.

In der Art und Weise wie das Spiel in der Schlussphase kippte, hätte das Spiel über 9 Innings durchaus Interessant werden können, so müssen sich die Cyndicates vorwerfen, erst viel zu spät in das Spiel gefunden zu haben. Die Darbietung in der Defensive war mit 10 Errors in 7 Innings eines Finalisten unwürdig und verbaute schlussendlich jegliche Hoffnungen auf ein erfolgreiches Comeback. Die Leipzig Wallbreakers setzen sich verdient mit 16:12 durch und müssen am 28.09.2019 in Chemnitz nur noch eines der beiden Spiele gewinnen, um sich als Meister zu krönen. Dass man selbst bei einem 14 Run Rückstand nicht aufgegeben hat und sich wieder herankämpfte, sollte den Cyndicates aber Zuversicht für das nächste Wochenende geben, wo man mit einer verbesserten Defensivleistung weiterhin alles in eigener Hand hat.

 

 

Leipzig Wallbreakers II

AB H R RBI BB 2B 3B HR SB SO HBP E PO A
00000000000000
IP H R ER BB SO HR
0000000

Cyndicates Chemnitz

# Batting AB H R RBI BB 2B 3B HR SB SO HBP E PO A
CMaximilian Bitz40100000131320
LFKay Schäfer30222000200020
CFSteffen Arlick41121000200140
3BFabian Dittrich42111100100233
1BPeer Stopp41220000201060
P/2B/SSMichael Lippmann30102000230011
SS/2BStanley Braun42200000021411
RFEnrico Schwarz -- RF20011000100000
-- RFAnne Trommer RF10101000010000
2BSilvia Hertel10011000000020
-- PSteve Plihal30101000020000
 Gesamt336129101001111310215
Pitching IP H R ER BB SO HR
Michael Lippmann3.28114610
Steve Plihal3.1450220
Gesamt6.312164830
vs

Playoffs: SG Erfurt/Braunsbedra vs. Chemnitz Cyndicates

Der 1. September 2019 ist schon lange im Kalender rot angestrichen gewesen. Nicht nur standen an diesem Tag die Landtagswahlen in Sachsen an, sondern vor allem auch das erste Playoffspiel der Chemnitzer Baseballgeschichte. Gegner war die Spielgemeinschaft Erfurt Angels / Braunsbedra Coalminers, die mit 10 Siegen und 10 Niederlagen knapp hinter den Cyndicates auf Platz 3 der Tabelle landeten. Schon im Vorfeld kündigte sich ein spannendes Spiel an, waren die direkten Vergleiche mit 2:3 Siegen nur knapp an die Erfurter gegangen.

Die Gäste reisten mit 13 Spielern an, mussten dabei aber mit Menendez auf einen wichtigen Offensivspieler verzichten, der in dieser Saison bereits mehrere Homeruns auf seinem Konto zu verzeichnen hatte. Bei den Cyndicates war die Personallage etwas angespannter. Der ein oder andere Leistungsträger befand sich im Urlaub und für große Wechselspielchen mangelte es vor allem auf der Pitcherposition an taktischen Optionen, weshalb alle 9 Spieler durchspielten.

Den Start auf dem Hügel verzeichnete Alexander Petrik, der noch zu Beginn der Saison ein kurzes Intermezzo beim Gegner hatte, nach dem ersten Spieltag aber wieder zurück nach Chemnitz wechselte. Den Erfurter Leadoff Hitter Kästner musste er mit einem Hit auf die Base lassen und nach einem Überwurf und einem Sacrifice Hit von Förster erzielte dieser den ersten Run der Partie. Für weitere Runs reichte es nicht, weshalb Chemnitz das erste Mal an den Schlag durfte. Zippenfennig kam mit einem Double direkt auf die zweite Base und die Schläge der Chemnitzer gegen Pitcher Rösler waren im Grunde genommen nicht schlecht, landeten jedoch zu häufig genau auf den Verteidiger. So musste nach drei schnellen Flyouts in das Outfield das Schlagrecht punktlos wieder abgegeben werden.

Die Chemnitzer Verteidigung sorgte in der Folge immerhin für schnelle Wechsel. Im zweiten Durchgang benötigte A. Petrik nur vier(!) Pitches bevor alle drei Aus erzielt wurden, im dritten Inning hieß es ebenfalls „3 Up, 3 Down“. Diese defensive Überlegenheit konnten die Cyndicates aber nur geringfügig ausnutzen. Im zweiten Abschnitt kamen ebenfalls nur drei Schlagleute an die Platte, im dritten Inning gelang nach Hits von Plihal, Zippenfennig und Arlick (RBI) immerhin ein Run durch Bitz.

Bis hierhin war es eine von der Defensive geprägte Partie, doch im folgenden Abschnitt wurden die Chemnitzer Hände etwas nervöser. Gleich 6 Hits, gepaart mit 2 Errors, sorgten für 5 Erfurter Runs und somit für einen Zwischenstand von 6:1, denn auch hier gelang es der Offensive nicht, die zugelassenen Runs zu kontern.

Da auch im fünften Inning ein Gästespieler die Homeplate überqueren konnte, befand man sich zur Hälfte des Spiels mit 1:7 im Rückstand. Der Glaube an den Sieg wurde in diesen Minuten auf eine harte Probe gestellt, doch gerade noch rechtzeitig wachte die Chemnitzer Offensive auf: Hits von Bitz, Arlick, Dittrich (RBI) und Braun hauchten der Hoffnung wieder Leben ein und sorgten nicht nur für 3 Runs auf der Anzeigetafel, sondern auch für einen Pitcherwechsel bei den Gästen zu Beginn des sechsten Innings. Diese taktische Entscheidung sollte sich im Nachhinein als Initialzündung für Chemnitz erweisen. Ein Double von Plihal, Hits von Bitz, Zippenfennig (2 RBI) und Dittrich waren für den Erfurter Manager genug, um den eben erst eingewechselten Pitcher wieder aus dem Spiel zu nehmen und von nun an den bisherigen Catcher Kästner werfen zu lassen. Die Cyndicates ließen sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen und legten durch ein Double von Hertel (RBI) sowie Hits von Petrik und Braun (jeweils 1 RBI) direkt nach. Am Ende standen 5 Punkte auf der Tafel und somit lag Chemnitz erstmals mit 9:7 in Führung, das Spiel war gedreht.

Die Partie ging nun in die Endphase und mit jedem Pitch stieg die Anspannung bei beiden Mannschaften. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte das Spiel alles gehalten, was sich der neutrale Zuschauer versprochen haben dürfte: gute defensive Plays, dabei aber unterhaltsame Offensive Glanzpunkte, ein starkes Comeback und nun ein Spiel auf des Messers Schneide.

Das siebte Top-Inning eröffnete wieder Alex Petrik auf dem Mound, der heute einen grandiosen Tag erwischte und zu keiner Zeit die Kontrolle verlor. Zwar gelang ihm direkt beim ersten Batter ein Strikeout, doch nach einem Single von Förster und einem Double von März konnten beide Erfurter Spieler in der Folge über die Platte kommen – der Ausgleich. Chemnitz antwortete ebenfalls mit zwei Runs, die allerdings äußerst glücklich zustande kamen: Durch einen fallengelassenes Strikeout vom neuen Catcher der Gäste erreichte Plihal die erste Base und konnte nach mehreren Wild Pitches auch punkten. Ein Walk von Bitz wurde per Sacrifice Fly von Zippenfennig in einen Run umgemünzt, weitere Spieler konnten trotz Hit von Arlick und Walk von Dittrich aber nicht die Homeplate überqueren, da anschließend zwei schnelle Aus folgten.

Die Spielgemeinschaft war angesichts des 11:9 Rückstands jetzt gefordert, eröffnete das achte Inning aber mit zwei schnellen Aus. Kästner erreichte anschließend dennoch die erste Base mit einem Hit und konnte sich bis zur dritten Base durchstehlen. Nach einem Walk an Böhner (erst der zweite des Spiels), machte Pitcher Alex Petrik einen folgenschweren Fehler und überwarf bei einem Pickoffversuch seinen ersten Baseman. Hierdurch konnte Erfurt den Spielstand auf 11:10 verkürzen, bevor Shortstop Zippenfennig mit einem Sprung den Schlag von Förster zum dritten Aus spektakulär aus der Luft fing.

Die Cyndicates hatten nun die Gelegenheit ein paar Runs zur Versicherung draufzulegen und eine Zitterpartie oder gar ein Nachschlagen im neunten Inning zu verhindern. Durch den insgesamt vierten Hit an diesem Tag von Braun war dieses Unterfangen auf einem guten Weg. Bei Plihal wiederholte sich die Geschichte aus dem siebten Inning: Ein nicht gefangenes Strikeout ließ ihn auf die erste Base kommen, während Braun dabei einen Punkt erzielte. Infolge dessen kam es zu einem Disput zwischen dem Umpire und dem Erfurter Manager, da dieser sich nicht mit der Entscheidung zufriedengeben wollte. Der 1st Baseman der Spielgemeinschaft hatte den Ball kurz vor der ersten Base gefangen, diesen dann in die Wurfhand genommen und mit der anderen Hand inklusive leerem Handschuh den Läufer berührt. Die Umpiring-Crew hatte diese undurchsichtige Situation korrekt erfasst und mit der besonnenen, aber bestimmten Reaktion auf die Beschwerden ihren souveränen Auftritt untermauert. Weitere Runs erzielten die Cyndicates in der Folge jedoch nicht, sodass diese Entscheidung schlussendlich ohnehin keine Auswirkungen auf das Spiel hatte.

Mit einer 12:10 Führung ging es für Chemnitz also in das entscheidende neunte Inning. Bis hierhin hatten die Gäste aus Erfurt und Braunsbedra lediglich im vierten Inning mehr als zwei Runs in einem Abschnitt erzielen können, dennoch dürfte die Nervosität und Spannung bei der Cyndicates-Defensive auf Anschlag gewesen sein. Dass mit März direkt der erste Schlagmann einen Hit erzielte dürfte nicht unbedingt zur Beruhigung beigetragen haben. Noch weniger, dass Pitcher Petrik in der Folge etwas die Kontrolle verlor und gleich zwei Batter per Walk auf die Base lassen musste. Die Bases waren also bei 0 Aus geladen, alles andere als eine komfortable Ausgangssituation. Bei einer Auszeit wurde das weitere taktische Vorgehen besprochen, da es nun wichtiger war, das Punkten des Läufers von der dritten Base zu verhindern, als „einfache“ Aus zu machen.

Ein Walk und Erfurt würde auf einen Run herankommen. Ein Hit und die Spielgemeinschaft würde wohl ausgleichen. Ein Homerun gar und plötzlich wäre Chemnitz mit zwei Runs im Rückstand.

Keine dieser drei Umstände trat jedoch ein. Ein langsamer Groundball wurde an der ersten Base sicher von Braun zum ersten Aus gefieldet, hierbei musste man den Läufer an der dritten Base jedoch gewähren lassen. Somit bestand der Vorsprung nur noch aus einem Run. Mit einem Aus und Läufern auf zweiter und dritter Base war die Situation nach wie vor alles andere als entschärft. Jeder weitere Hit würde für den Ausgleich oder sogar die Erfurter Führung sorgen. Mit zwei Strikes auf dem Konto gelang dem Schlagmann der Gäste aber nur ein Flyout zum Shortstop und keiner der Läufer konnte vorrücken.

Jetzt galt es. 2 Aus. Läufer auf 2 und 3. 12:11. Alles oder Nichts. Ob man persönlich diese Situationen liebt oder hasst dürfte bei jedem Spieler unterschiedlich ausgeprägt sein. Fakt war jedenfalls, dass nun jeder Pitch, jeder Swing, jeder Wurf dieses Spiel ins Kippen bringen konnte und diese Anspannung war förmlich mit den Händen zu greifen.

Petrik konnte diese nervenaufreibende Situation allerdings Nichts anhaben. Ohne Probleme brachte er den Count auf 2 Strikes hoch und setzte den Batter somit unter Zugzwang. Dieser schwang beim nächsten Pitch und das Geräusch von Baseball auf Metall erklang auf dem Feld. Der Linkshänder hatte den Ball spät und gerade so erwischt. Das Leder segelte im hohen Bogen über die dritte Base hinweg. Die Erfurter liefen los – aber vergebens. Left Fielder Arlick pflückte den Ball aus der Luft und sorgte mit dem dritten Aus für riesige Jubelstürme auf Seiten der Chemnitzer. Ein unglaublich dramatisches Baseballspiel hatte sein Ende gefunden, mit den Cyndicates auf der siegreichen Seite. Petrik verbuchte mit 9 gepitchten Innings den wohlverdienten Win und musste dabei lediglich 4 Walks hinnehmen. 12:11 Runs, 18:16 Hits und 5:5 Errors zeugen von einer Partie auf absoluter Augenhöhe bei der jede Kleinigkeit den Ausschlag geben konnte. Zwar waren die Chemnitzer auch in den Vorjahren in der Lage, Spiele eng zu halten. Der große Unterschied in diesem Jahr ist aber die Fähigkeit, solche Spiele am Schluss auch zu gewinnen und nicht mehr aus der Hand gleiten zu lassen. Als Belohnung folgt nun am 21.9 und 28.9 das Finale in einer Best of Three Serie gegen die Leipzig Wallbreakers II, die sich überraschend gegen den Titelfavoriten Jena durchsetzten.

Der Playoffsieg lässt sich bereits heute als größter Erfolg der jungen Vereinsgeschichte einordnen, vor allem aufgrund der Tatsache, dass fast alle beteiligten Spieler bereits vor vier Jahren bei den Anfängen des Baseballs in Chemnitz mitgewirkt haben. Mit Bitz, Zippenfennig, Arlick, Hertel, Braun und Plihal waren 6 Spieler in der Aufstellung, die damals als Baseball-Neulinge auch schon in der Premierensaison das orangene Trikot trugen. Zählt man die Einwechseloptionen mit Schwarz und Stopp dazu, waren es sogar 8. Nach vielen frustrierenden Niederlagen in den Anfangsjahren ernteten sie und alle involvierten Helfer an diesem 1. September 2019 den verdienten Lohn nicht nur ihrer harten Trainingsarbeit, sondern vor allem ihres unermüdlichen ehrenamtlichen Engagements um den Verein. Nicht umsonst ist dieser Tag im Kalender rot angestrichen gewesen.

 

Cyndicates Chemnitz

# Batting AB H R RBI BB 2B 3B HR SB SO HBP E PO A
CMaximilian Bitz52301000210130
SSClaudio Zippenfennig33231100301062
LFSteffen Arlick53110000201021
3BFabian Dittrich42211000010214
2BSilvia Hertel41111100000014
PAlexander Petrik51020000110103
1BStanley Braun541100000001140
RFHendrik Kranz50000000000000
CFSteve Plihal52200100030000
 Gesamt4118129430086252714
Pitching IP H R ER BB SO HR
Alexander Petrik9161111430
Gesamt9161111430

SG Coalminers/Angels

AB H R RBI BB 2B 3B HR SB SO HBP E PO A
00000000000000
IP H R ER BB SO HR
0000000
vs

Alexander Petrik

Auszeichnungen:

Best Pitcher 2018 (Cyndicates)

Best Pitcher 2019 (Cyndicates)

Kay Schäfer

Auszeichnungen:

– Cyndicates Rookie of the Year (2017)