Playoffs: SG Erfurt/Braunsbedra vs. Chemnitz Cyndicates

vs

Ergebnisse

Mannschaft123456789RHE
Cyndicates Chemnitz00103521-12185
SG Coalminers/Angels10051021111165

Zusammenfassung

Der 1. September 2019 ist schon lange im Kalender rot angestrichen gewesen. Nicht nur standen an diesem Tag die Landtagswahlen in Sachsen an, sondern vor allem auch das erste Playoffspiel der Chemnitzer Baseballgeschichte. Gegner war die Spielgemeinschaft Erfurt Angels / Braunsbedra Coalminers, die mit 10 Siegen und 10 Niederlagen knapp hinter den Cyndicates auf Platz 3 der Tabelle landeten. Schon im Vorfeld kündigte sich ein spannendes Spiel an, waren die direkten Vergleiche mit 2:3 Siegen nur knapp an die Erfurter gegangen.

Die Gäste reisten mit 13 Spielern an, mussten dabei aber mit Menendez auf einen wichtigen Offensivspieler verzichten, der in dieser Saison bereits mehrere Homeruns auf seinem Konto zu verzeichnen hatte. Bei den Cyndicates war die Personallage etwas angespannter. Der ein oder andere Leistungsträger befand sich im Urlaub und für große Wechselspielchen mangelte es vor allem auf der Pitcherposition an taktischen Optionen, weshalb alle 9 Spieler durchspielten.

Den Start auf dem Hügel verzeichnete Alexander Petrik, der noch zu Beginn der Saison ein kurzes Intermezzo beim Gegner hatte, nach dem ersten Spieltag aber wieder zurück nach Chemnitz wechselte. Den Erfurter Leadoff Hitter Kästner musste er mit einem Hit auf die Base lassen und nach einem Überwurf und einem Sacrifice Hit von Förster erzielte dieser den ersten Run der Partie. Für weitere Runs reichte es nicht, weshalb Chemnitz das erste Mal an den Schlag durfte. Zippenfennig kam mit einem Double direkt auf die zweite Base und die Schläge der Chemnitzer gegen Pitcher Rösler waren im Grunde genommen nicht schlecht, landeten jedoch zu häufig genau auf den Verteidiger. So musste nach drei schnellen Flyouts in das Outfield das Schlagrecht punktlos wieder abgegeben werden.

Die Chemnitzer Verteidigung sorgte in der Folge immerhin für schnelle Wechsel. Im zweiten Durchgang benötigte A. Petrik nur vier(!) Pitches bevor alle drei Aus erzielt wurden, im dritten Inning hieß es ebenfalls „3 Up, 3 Down“. Diese defensive Überlegenheit konnten die Cyndicates aber nur geringfügig ausnutzen. Im zweiten Abschnitt kamen ebenfalls nur drei Schlagleute an die Platte, im dritten Inning gelang nach Hits von Plihal, Zippenfennig und Arlick (RBI) immerhin ein Run durch Bitz.

Bis hierhin war es eine von der Defensive geprägte Partie, doch im folgenden Abschnitt wurden die Chemnitzer Hände etwas nervöser. Gleich 6 Hits, gepaart mit 2 Errors, sorgten für 5 Erfurter Runs und somit für einen Zwischenstand von 6:1, denn auch hier gelang es der Offensive nicht, die zugelassenen Runs zu kontern.

Da auch im fünften Inning ein Gästespieler die Homeplate überqueren konnte, befand man sich zur Hälfte des Spiels mit 1:7 im Rückstand. Der Glaube an den Sieg wurde in diesen Minuten auf eine harte Probe gestellt, doch gerade noch rechtzeitig wachte die Chemnitzer Offensive auf: Hits von Bitz, Arlick, Dittrich (RBI) und Braun hauchten der Hoffnung wieder Leben ein und sorgten nicht nur für 3 Runs auf der Anzeigetafel, sondern auch für einen Pitcherwechsel bei den Gästen zu Beginn des sechsten Innings. Diese taktische Entscheidung sollte sich im Nachhinein als Initialzündung für Chemnitz erweisen. Ein Double von Plihal, Hits von Bitz, Zippenfennig (2 RBI) und Dittrich waren für den Erfurter Manager genug, um den eben erst eingewechselten Pitcher wieder aus dem Spiel zu nehmen und von nun an den bisherigen Catcher Kästner werfen zu lassen. Die Cyndicates ließen sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen und legten durch ein Double von Hertel (RBI) sowie Hits von Petrik und Braun (jeweils 1 RBI) direkt nach. Am Ende standen 5 Punkte auf der Tafel und somit lag Chemnitz erstmals mit 9:7 in Führung, das Spiel war gedreht.

Die Partie ging nun in die Endphase und mit jedem Pitch stieg die Anspannung bei beiden Mannschaften. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte das Spiel alles gehalten, was sich der neutrale Zuschauer versprochen haben dürfte: gute defensive Plays, dabei aber unterhaltsame Offensive Glanzpunkte, ein starkes Comeback und nun ein Spiel auf des Messers Schneide.

Das siebte Top-Inning eröffnete wieder Alex Petrik auf dem Mound, der heute einen grandiosen Tag erwischte und zu keiner Zeit die Kontrolle verlor. Zwar gelang ihm direkt beim ersten Batter ein Strikeout, doch nach einem Single von Förster und einem Double von März konnten beide Erfurter Spieler in der Folge über die Platte kommen – der Ausgleich. Chemnitz antwortete ebenfalls mit zwei Runs, die allerdings äußerst glücklich zustande kamen: Durch einen fallengelassenes Strikeout vom neuen Catcher der Gäste erreichte Plihal die erste Base und konnte nach mehreren Wild Pitches auch punkten. Ein Walk von Bitz wurde per Sacrifice Fly von Zippenfennig in einen Run umgemünzt, weitere Spieler konnten trotz Hit von Arlick und Walk von Dittrich aber nicht die Homeplate überqueren, da anschließend zwei schnelle Aus folgten.

Die Spielgemeinschaft war angesichts des 11:9 Rückstands jetzt gefordert, eröffnete das achte Inning aber mit zwei schnellen Aus. Kästner erreichte anschließend dennoch die erste Base mit einem Hit und konnte sich bis zur dritten Base durchstehlen. Nach einem Walk an Böhner (erst der zweite des Spiels), machte Pitcher Alex Petrik einen folgenschweren Fehler und überwarf bei einem Pickoffversuch seinen ersten Baseman. Hierdurch konnte Erfurt den Spielstand auf 11:10 verkürzen, bevor Shortstop Zippenfennig mit einem Sprung den Schlag von Förster zum dritten Aus spektakulär aus der Luft fing.

Die Cyndicates hatten nun die Gelegenheit ein paar Runs zur Versicherung draufzulegen und eine Zitterpartie oder gar ein Nachschlagen im neunten Inning zu verhindern. Durch den insgesamt vierten Hit an diesem Tag von Braun war dieses Unterfangen auf einem guten Weg. Bei Plihal wiederholte sich die Geschichte aus dem siebten Inning: Ein nicht gefangenes Strikeout ließ ihn auf die erste Base kommen, während Braun dabei einen Punkt erzielte. Infolge dessen kam es zu einem Disput zwischen dem Umpire und dem Erfurter Manager, da dieser sich nicht mit der Entscheidung zufriedengeben wollte. Der 1st Baseman der Spielgemeinschaft hatte den Ball kurz vor der ersten Base gefangen, diesen dann in die Wurfhand genommen und mit der anderen Hand inklusive leerem Handschuh den Läufer berührt. Die Umpiring-Crew hatte diese undurchsichtige Situation korrekt erfasst und mit der besonnenen, aber bestimmten Reaktion auf die Beschwerden ihren souveränen Auftritt untermauert. Weitere Runs erzielten die Cyndicates in der Folge jedoch nicht, sodass diese Entscheidung schlussendlich ohnehin keine Auswirkungen auf das Spiel hatte.

Mit einer 12:10 Führung ging es für Chemnitz also in das entscheidende neunte Inning. Bis hierhin hatten die Gäste aus Erfurt und Braunsbedra lediglich im vierten Inning mehr als zwei Runs in einem Abschnitt erzielen können, dennoch dürfte die Nervosität und Spannung bei der Cyndicates-Defensive auf Anschlag gewesen sein. Dass mit März direkt der erste Schlagmann einen Hit erzielte dürfte nicht unbedingt zur Beruhigung beigetragen haben. Noch weniger, dass Pitcher Petrik in der Folge etwas die Kontrolle verlor und gleich zwei Batter per Walk auf die Base lassen musste. Die Bases waren also bei 0 Aus geladen, alles andere als eine komfortable Ausgangssituation. Bei einer Auszeit wurde das weitere taktische Vorgehen besprochen, da es nun wichtiger war, das Punkten des Läufers von der dritten Base zu verhindern, als „einfache“ Aus zu machen.

Ein Walk und Erfurt würde auf einen Run herankommen. Ein Hit und die Spielgemeinschaft würde wohl ausgleichen. Ein Homerun gar und plötzlich wäre Chemnitz mit zwei Runs im Rückstand.

Keine dieser drei Umstände trat jedoch ein. Ein langsamer Groundball wurde an der ersten Base sicher von Braun zum ersten Aus gefieldet, hierbei musste man den Läufer an der dritten Base jedoch gewähren lassen. Somit bestand der Vorsprung nur noch aus einem Run. Mit einem Aus und Läufern auf zweiter und dritter Base war die Situation nach wie vor alles andere als entschärft. Jeder weitere Hit würde für den Ausgleich oder sogar die Erfurter Führung sorgen. Mit zwei Strikes auf dem Konto gelang dem Schlagmann der Gäste aber nur ein Flyout zum Shortstop und keiner der Läufer konnte vorrücken.

Jetzt galt es. 2 Aus. Läufer auf 2 und 3. 12:11. Alles oder Nichts. Ob man persönlich diese Situationen liebt oder hasst dürfte bei jedem Spieler unterschiedlich ausgeprägt sein. Fakt war jedenfalls, dass nun jeder Pitch, jeder Swing, jeder Wurf dieses Spiel ins Kippen bringen konnte und diese Anspannung war förmlich mit den Händen zu greifen.

Petrik konnte diese nervenaufreibende Situation allerdings Nichts anhaben. Ohne Probleme brachte er den Count auf 2 Strikes hoch und setzte den Batter somit unter Zugzwang. Dieser schwang beim nächsten Pitch und das Geräusch von Baseball auf Metall erklang auf dem Feld. Der Linkshänder hatte den Ball spät und gerade so erwischt. Das Leder segelte im hohen Bogen über die dritte Base hinweg. Die Erfurter liefen los – aber vergebens. Left Fielder Arlick pflückte den Ball aus der Luft und sorgte mit dem dritten Aus für riesige Jubelstürme auf Seiten der Chemnitzer. Ein unglaublich dramatisches Baseballspiel hatte sein Ende gefunden, mit den Cyndicates auf der siegreichen Seite. Petrik verbuchte mit 9 gepitchten Innings den wohlverdienten Win und musste dabei lediglich 4 Walks hinnehmen. 12:11 Runs, 18:16 Hits und 5:5 Errors zeugen von einer Partie auf absoluter Augenhöhe bei der jede Kleinigkeit den Ausschlag geben konnte. Zwar waren die Chemnitzer auch in den Vorjahren in der Lage, Spiele eng zu halten. Der große Unterschied in diesem Jahr ist aber die Fähigkeit, solche Spiele am Schluss auch zu gewinnen und nicht mehr aus der Hand gleiten zu lassen. Als Belohnung folgt nun am 21.9 und 28.9 das Finale in einer Best of Three Serie gegen die Leipzig Wallbreakers II, die sich überraschend gegen den Titelfavoriten Jena durchsetzten.

Der Playoffsieg lässt sich bereits heute als größter Erfolg der jungen Vereinsgeschichte einordnen, vor allem aufgrund der Tatsache, dass fast alle beteiligten Spieler bereits vor vier Jahren bei den Anfängen des Baseballs in Chemnitz mitgewirkt haben. Mit Bitz, Zippenfennig, Arlick, Hertel, Braun und Plihal waren 6 Spieler in der Aufstellung, die damals als Baseball-Neulinge auch schon in der Premierensaison das orangene Trikot trugen. Zählt man die Einwechseloptionen mit Schwarz und Stopp dazu, waren es sogar 8. Nach vielen frustrierenden Niederlagen in den Anfangsjahren ernteten sie und alle involvierten Helfer an diesem 1. September 2019 den verdienten Lohn nicht nur ihrer harten Trainingsarbeit, sondern vor allem ihres unermüdlichen ehrenamtlichen Engagements um den Verein. Nicht umsonst ist dieser Tag im Kalender rot angestrichen gewesen.

 

Cyndicates Chemnitz

# Batting AB H R RBI BB 2B 3B HR SB SO HBP E PO A
CMaximilian Bitz52301000210130
SSClaudio Zippenfennig33231100301062
LFSteffen Arlick53110000201021
3BFabian Dittrich42211000010214
2BSilvia Hertel41111100000014
PAlexander Petrik51020000110103
1BStanley Braun541100000001140
RFHendrik Kranz50000000000000
CFSteve Plihal52200100030000
 Gesamt4118129430086252714
Pitching IP H R ER BB SO HR
Alexander Petrik9161111430
Gesamt9161111430

SG Coalminers/Angels

AB H R RBI BB 2B 3B HR SB SO HBP E PO A
00000000000000
IP H R ER BB SO HR
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Details

Datum Zeit League Saison Spieltag
1. September 2019 12:00 MDLB 2019 - Playoffs Playoffs

Field

Ballpark Ustifield
Str. Usti nad Labem 42, 09119 Chemnitz